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ENTWURFSSTUDIO IN GARMISCH-PARTENKIRCHEN IM WINTER 2010/11

Spätestens im Zuge der Olympiabewerbung ist der Markt Garmisch-Partenkirchen (-GAP als Autokennzeichen und im Folgenden auch als Abkürzung des Ortsnamens verwendet-) mit seinen 26.000 Einwohnern erneut beinah in aller Munde. Und so vielfältig die Argumente für oder wider eine mögliche Austragung der Olympischen Winterspiele 2018 dort sind, so wenig klar ist die grundsätzliche Ausrichtung dieses Ortes überhaupt, ganz unabhängig von einem solchen Großereignis.

 

Was ist Garmisch-Partenkirchen und was könnte es werden?

 

Dabei offenbart ein aufmerksamer Streifzug durch die Straßen eine verwirrende Heterogenität im Ortsbild, begründet in:

-der unterschiedlichen Siedlungsentwicklung aus den zwei Dörfern Garmisch und Partenkirchen,

-der Zwangsvereinigung zu einer Marktgemeinde im Zuge der Austragung der Olympischen Winterspiele 1936,

-den verschiedensten Ortserweiterungen nach dem Ersten und vor allem dem Zweiten Weltkrieg als sukzessive Inanspruchnahme der Wiesengürtel zwischen den Ortsteilen und zu den Hängen,

-den Hochwasserregulierungen der Wildgewässer und dem Ausbau der Verkehrsadern,

-den Kasernenstützpunkten von erst Reichswehr und heute Bundeswehr und US Army (Erholungszentrum),

-der Ansielung von Einkaufsmärkten zu Lasten der zunehmend leer fallenden Ladenerdgeschosse,

-den Ausprägungen des Fremdenverkehrs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von der Sommerfrische, dem Höhenkurort über den alpinen Wintersport zu einem extrem sportlastigen (angestrebten) Ganzjahrestourismus mit heute nur noch kurzen Aufenthaltsdauern.

 

Einziger und unverrückbarer Zusammenhalt bildet die prächtige Bergkulisse, auch wenn diese Landschaft mit ihrer Inanspruchnahme ebenso Veränderungen unterliegt: weniger Weidewirtschaft, zunehmende Verwaldung, jäh unterbrochen von den Schneisen des intensiven Sports. Und doch wirkt diese rahmende Berglandschaft unverwüstlicher als der Ort, der in seinen baulichen Entwicklungen unübersehbar leidet und dessen Diskrepanz zwischen bayerisch-alpiner Postkartenidylle und tatsächlicher Struktur vielerorts beträchtlich ist. Indizien für eine eigene, aus den tatsächlichen und angestrebten Gegebenheiten hervorgerufene stadträumliche wie architektonische Entwicklung in Kohärenz von äußerer Erscheinung und innerer Struktur finden sich kaum.

 

So heterogen die Gestalt des Ortes ist, so dessen programmatische Orientierung.

 

Ist GAP wirklich noch der ausgewiesene Tourismusort, von dem die Mehrheit der Bewohner lebt?

Und wenn dem so ist, warum wurde in diesem Sektor kein einziger neuer Trend (wie z.B. aus der Plattform „Architektur macht Gäste“) gesetzt und kaum investiert?  

Statistisch gesehen leben aber die meisten von der öffentlichen Verwaltung und der Immobilien- und Finanzwirtschaft, ein Sektor, der auch wenig „produktive“ Impulse setzt.

Ist die offensichtliche Überalterung gewünscht, in der Annahme, dass finanzkräftige Menschen im Ruhestand viel und nach leicht kalkulierbaren Kategorien konsumieren, besonders im Gesundheitssektor, keine Arbeitsplätze brauchen und in ihren Jahrzehnten des Ruhestandes den überteuerten Wohnraum sicher okkupieren? Kann diese Annahme auch für die zukünftigen Alten gelten?

Ist Garmisch-Partenkirchen wirtschaftlich (auch energiewirtschaftlich) und kulturelles, sich selbst erhaltendes Oberzentrum oder eher der Wohnort für Pendler nach München mit immer besserer Bahn- und PKW- Anbindung?

 

In diesem weiten Feld bewegt sich das Entwurfsstudio Garmisch-Partenkirchen als gemeinschaftliche Arbeit aller Lehrstühle des Instituts für Entwerfen Stadt und Landschaft der TUM. 

 

 

Der Ort Garmisch-Partenkirchen wird in der ersten Phase des Entwurfsstudios methodisch in 7 Schnitten – in 2 Längsschnitten und 5 Querschnitten – erkundet, die als Sequenzen vom Landschaftsraum durch eine Reihe baulicher Situationen wieder in den Landschaftraum führen.

Zwischenkritik I  Durchschnitt GAP

Erarbeitung des Inventars entlang dieser Schnitte:

subjektiver Wahrnehmungsansatz (Kurzfilm)

exemplarisch empirische Bestandsaufnahmen

Analyse und erste Vermutungen.

 

In der zweiten Phase werden für diese spezifische radikale Szenarien entwickelt, die auf grundsätzlichen räumlichen Thesen (etwa GAP als 2 Orte versus einer starken Ost-West-Verbindung versus GAP als Srawl) oder programmatischen Thesen (etwa GAP als „Paradies“ der Alten versus der Jungen versus der Fremden) basieren können.

 

In deren Auswertung entstehen in der dritten Phase tragfähige räumliche Konzepte. Entsprechend dieser Konzepte muss das Inventar aus Phase I erweitert werden. 

Zwischenkritik II Vision GAP

Radikale Szenarien

Konzepte

 

In der vierten Phase werden an einem Beispiel die räumlichen Konsequenzen des in Phase 3 erarbeiteten Ansatzes auf städtebaulicher und architektonischer Maßstabsebene nachgewiesen. 

Zwischenkritik III  Test GAP

Entwurf mit räumlichen und programmatischen Fokus


 


 

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